22
Mrz
2018

Tag 118 Fern Burn Hut (Zeroday)

Liebes Trailtagebuch, heute war ein…. Haha, nein, so stereotypisch und schmalzig obendrein fange ich heute (und morgen oder wann auch immer) natürlich nicht an. Davon ab: zweiter Zeroday in Folge. Warum das? Es hat nicht nur die ganze Nacht heftig geregnet und auch gestürmt, es ging heute morgen direkt so weiter. Zudem kam Schnee dazu. Früh am Morgen fiel die Schneefallgrenze drastisch ab. Zunächst waren nur die Bergkuppen bedeckt, dann kam der Schnee weiter und weiter herunter und mit ihm die Kälte. Ich hänge in der Hütte fest. Kein Weiterkommen…

An sich wollten Anna und ich heute bis zur übernächsten Hütte, der Roses Hut gelangen. Also bin ich noch im Dunkeln vor 7 Uhr aufgestanden und wollte meine Sachen packen. Als ich jedoch draußen auf der Veranda der Hütte stand und Anna dazukam, entschieden wird uns um. Es regnete weiterhin unentwegt. Also den Plan geändert. Nochmal zurück in die Schlafsäcke und aller Voraussicht nach später am Tag nur die sechs Kilometer bis zur nächsten Hütte, der Highland Creek Hut, angehen. Für diese paar Kilometer waren in guten Konditionen vier bis fünf Stunden zu veranschlagen. Der offensichtlich schwierigste Part des Motatapu Alpine Track.

Um 8.30 Uhr bin ich dann wieder aufgestanden. Es regnete weiterhin unentwegt. Dann der Blick in die Berge. Schnee. Nur wenige hundert Meter höher war es am Schneien. Und je weiter die Zeit verstrich, desto mehr fiel die Schneefallgrenze. Es wurde kälter und kälter bis nach dem Frühstück schließlich selbst um die Hütte herum, die nur auf 740 Metern liegt, der Regen in Schnee überging. Tja, damit war der Hikingtag gestorben. Regen, Wind und Schnee. Zu gefährlich den schwierigen Track anzugehen. We all got stucked in the hut.

Mein zweiter Zeroday in Folge und dieser nun zwangsläufig allein des Wetters wegen. Ich hoffe das Wetter bessert sich morgen. Einen weiteren Tag könnte ich möglicherweise noch festhängen, aber danach wird es knapp mit meinen Essensvorräten bis zur nächsten Stadt namens Arrowtown. Naja, ich werd’s sehen. Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann, und momentan lohnt es sich nicht, dass ich mir zu viele Gedanken darüber mache.

Die Schneegrenze fiel weiter und weiter. Nachdem wir den Vormittag zunächst mit Kartenspielen verbracht hatten, einige in ihre Schlafsäcke eingepackt, fielen gegen Mittag dicke Schneeflocken vom Himmel. Es war den Tag über kälter uns kälter geworden. Selbst in der Hütte kondensierte mittlerweile unser Atem.

Am Nachmittag ging ich mit Anna nochmal den Track der nächsten Tage durch. Wir planten erstmal grob zusammen weiterzuhiken und nach Queenstown noch den Routeburn- und Capples-Track zu laufen. Wir müssten von Queenstown aus auf die andere Seite des Lake Wakatipu gelangen, da der Te Araroa in Queenstown am sdöstlichen Ufer des Sees endet und erst auf der anderen Seeseite im Nordwesten weiterführt.

Stand heute würden wir den Routeburn-Great Walk noch als Sidetrip dazwischenschieben und so mit dem Capples-Track, der uns dann an den Start des Te Araroa auf der anderen Seeseite führt, um die 50 bis 60 Kilometer zusätzlich hiken. Vorausgesetzt natürlich, dass das Wetter sich bessert. Nur dann dürfte sich der Sidetrip schließlich auch lohnen.

Später am Nachmittag kam hier oben an der Fern Burn Hut noch eine Gruppe von Kiwis an. Sie waren unten am Parkplatz des Tracks gestartet und die sechseinhalb Kilometer zur Hütte hinaufgestiegen. Das letzte Stück ihres Hikes in dichtem Schneetreiben. An sich wollten sie auf den Jacks Hall Saddle hinauf-, in der Hütte übernachten und dann morgen wieder hinabsteigen. Der Aufstieg auf den Sattel erübrigte sich aber auch für diese Gruppe.

Der Rest der Tages verlief wie gestern unspannend. Die meiste Zeit verbrachte ich der Kälte wegen im Schlafsack. Länger verließ ich diesen nur fürs Abendessen, das aus Käse-Maccharoni und etwas Schokolade zum Nachtisch bestand.

Am Abend kamen noch vier Leute von der nächsten Hütte, also aus der entgegengesetzten Richtung, in die es uns zog, an. Sie hatten sechs Stunden für die Strecke benötigt und berichteten davon, dass auf dem Sattel knietief Schnee liegen würde und man im Aufstieg ohne Eisaxt nicht wirklich vorankäme. Da es immer noch eiskalt draußen war, rechnete ich nicht damit, dass es morgen besser sein würde. Ich würde versuchen morgen weiterzukommen, aber gegebenenfalls würde ich umdrehen müssen.

Müßig sich heute darum Gedanken zu machen. Ich würde es morgen sehen müssen. Auch mit meinen Knien. Trotz der zwei Tage, in der ich kaum lief, war der Schmerz heute bei den wenigen Schritten, die ich tat, und trotz Kniebandage und Schmerztabletten dennoch unverändert da.

Ich ging früh schlafen. Ich würde morgen recht früh aufstehen.

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2 Responses

  1. David

    Zurück in Deutschland hat mich bereits am 5ten Tag hier die Sehnsucht gepackt einfach zurück auf den Wanderweg zu kommen 😀

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf deinen Wanderungen!! Genieße die Zeit!

    Liebe Grüße aus Worms Am Rhein
    David

    1. Hey David, super von dir zu hören. Ich hoffe wir bleiben in Kontakt. Meine Daten hast du 😉 kannst ja deine mal rüberschicken, wenn du magst.

      Ich hoffe, dass du noch eine richtig tolle Zeit hattest auf dem Two-Thumb-Track und beim Kayaken?!

      Ja ich kann mir das sehr gut vorstellen. Nun, wo auch meine Reise fast zu Ende ist, habe ich sehr gemischte Gefühle, was das angeht. Nach diesen intensiven viereinhalb Monaten, die es am Ende sein werden, wird sehr schwierig in ein Leben zurückzukommen, an dem ich nicht jeden Tage laufe 😉

      Viele Grüße,
      Nils

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