15
Mrz
2018

Tag 111 Pukaki Flats bis Lake Ohau (33 Kilometer)

Tag 111 – eine Schnapszahl! Und mein Schnapszahltag begann mit einem richtig schönen Sonnenaufgang. Der Start in den Tag war also schon mal großartig. Danach merkte ich allerdings mehr und mehr wie sehr mir die lange Strecke von gestern heute in den Knochen oder vielmehr in den Füßen steckte. Ich hatte regelrecht das Gefühl mich weite Teile des Tages voranzuschleppen und machte Pause um Pause. Meine Füße schmerzten, mein Rucksack war nach meinem Besuch in Twizel prall gefüllt mit Essen und entsprechend schwer und irgendwie empfand ich gut zwei Drittel des Tracks heute auch nicht als lohnenswert. Nicht so schön zu laufen und auch vergleichsweise nicht so schön anzusehen. Vielleicht stellt sich da bei mir aber auch mittlerweile so ein „Abnutzungs-“ oder „Get-Used-To-Effekt“ ein. Die letzten zehn Kilometer um den Lake Ohau haben dann aber entschädigt. Vom Panorama war dies definitiv bislang der schönste dieser türkisblauen Seen hier in South Canterbury…

Ein ordentlich Wind zog heute morgen über die Hochebene der Pukaki Flats und rüttelte ordentlich an meinem Zelt. Vermutlich ging das irgendwann in der Nacht los nachdem es gestern Abend doch noch einigermaßen windstill war, aber ich habe nichts gemerkt und nach meinem langen Hike gestern total seelenruhig geschlafen.

Es war kurz vor 7 Uhr als ich aufstand oder vielmehr im Zelt windgeschützt meine Sachen packte und frühstückte. Es war noch immer dunkel draußen. Mittlerweile geht die Sonne hier in Neuseeland, vor allem so weit südlich wie ich mich mittlerweile befinde, doch deutlich später auf und es ist morgens einfach nur kalt. Es hat nur einige wenige Plusgrade Plus und nachts gehen die Temperaturen allmählich an den Gefrierpunkt heran. Gar nicht so einfach die Nutella dabei morgens auf den Wrap zu bekommen 🙂

Während ich frühstückte erinnerte ich mich an eine ältere Dame, die gestern eine Weile mit ihrem Fahrrad neben mir gefahren ist und schmunzelte etwas. Sie hatte mich gefragt, wo ich gestartet wäre und wohin ich heute noch wollte. Ich hatte ihr geantwortet, dass ich vor dreieinhalb Monaten in Cape Reinga losgelaufen wäre, heute morgen in Lake Tekapo und, wenn es gut laufen würde, dann würde ich heute bis nach Twizel hiken. Sie blickte mich etwas ungläubig an. Twizel? Das wäre ihr Ziel mit dem Rad und bis dahin wären es immerhin noch 40 Kilometer. Sie stoppte und empfahl mir eindringlich am Highway zu trampen. Das wäre viel einfacher. Ich erklärte ihr erstmal, dass ich Neuseeland zu Fuß durchqueren will. Sie schaute mich abermals ungläubig an. Sie könne sich das nicht mal mit dem Rad vorstellen, sagte sie. Nun war ich gestern nicht ganz bis nach Twizel gelangt, da ich nicht unnötig Geld für eine Übernachtung dort ausgeben wollte, aber ich stand vor der Kleinstadt und hatte mein Ziel von gestern insofern erreicht.

Als ich aufbrach entschwand die nächtliche Dunkelheit allmählich und die Wolken im Himmel färbten sich rötlich. Eine kurze Zeit schien der Himmel regelrecht in Flammen zu stehen. Wie schön ist das bitte bei solch einer Aussicht die ersten Schritte des Tages zu tun?! Nun, heute war es fantastisch, auch wenn meine Füße vom Vortag noch schmerzten 😉

Nach einer dreiviertel Stunde war ich in Twizel angelangt: eine kleines Zentrum am Rande der Hochebene und am Fuße der Berge. Abgesehen von dem gepflegt erscheinenden Platz im Zentrum nicht wirklich hübsch, aber ich ich fand hier fast alles was ich brauchte. Im Café zunächst ein Frühstück mit Eiern, Speck und Toast sowie einen Mocchachino, im Supermarkt konnte ich meinen Resupply erledigen, im Stadtzentrum konnte ich mein Wasservorrat auffüllen, in der Apotheke meinen medizinischen Bedarf und im Hardwarestore hatten sie Kleber für meine Schuhe. Nur einen Squeeze Bag habe ich nicht gefunden aber ich behelfe mir hier zunächst an den Flüssen im Tal mit ner Plastikflasche. Auf den typischen Flaschenverschluss kann ich meinen Wasserfilter letztlich auch direkt draufschrauben und so, im Fall der Fälle, auch gefiltert direkt aus der Flasche trinken.

Gegen 11 Uhr brach ich dann erst sehr spät wieder aus Twizel auf. Nach einigen Straßenkilometern lief ich am Südufer des Lake Ruataniwha und später am Flusslauf des Ohau River für gefühlt unzählige Kilometer Richtung Westen.

Mein Rucksack wog wieder schwer mit all den Einkäufen und der Hike durch die vergleichsweise recht trostlose, vertrocknete Ebene, in der es vor Fliegen nur so wimmelte, machte in der brennenden Sonne heute zunächst nicht wirklich Spaß. Mir war nicht nur warm. Auf dem teils größeren Geröll, aus dem die 4WD-Straße, der ich hier folgte, angeschüttet war, schmerzten meine Füße noch mehr als auf sonstigem Untergrund. Ich legte sicher alle fünf Kilometer eine kurze Pause ein. Und danach kam ich erstmal längere Zeit nicht richtig in Tritt. Meine Stimmung hätte definitiv besser sein können und ich zweifelte ein ums andere Mal, ob mein langer Hike von gestern vielleicht doch keine so gute Idee war…

Als ich schließlich am Lake Ohau anlangte, wurde aus der 4WD-Straße endlich ein Track. Ich bog hier abermals auf den Alps2Ocean-Bike-Trail ab, dem ich gestern schon eine Zeitlang gefolgt war. Ein angenehmer Kiestrack. Das tat meinen Füßen mal richtig gut.

Daneben wurde die zuvor triste Landschaft endlich schöner. Ich befand mich wieder deutlich näher an den Bergen und der Lake Ohau – für mich bislang der schönste der Seen hier in South Canterbury – sah mit seinem ebenfalls türkisblauen Wasser und in der schönen Lichtstimmung, die Sonne, Wolken und zuweilen ein leichter Regen vor dem Hintergrund der Berge zauberten, einfach wie gemalt aus. Aufgrund des Windes, der von den hohen Bergwipfeln herunterwehte waren einige Wellen auf dem Wasser, die tosend an den Felsen am Ufer anbrandeten. Das war ja schon fast wie am Meer hier.

Ich hikte am Ufer des Lake Ohau noch für gut elf Kilometer bis zu einer einfachen, zwischen Tannen gelegenen Campsite des DOC, die ich gegen 19 Uhr erreichte. Dabei passierte ich auch die 2.500-Kilometermarke des Trails. Noch einige Wochen und ich bin tatsächlich in Bluff…

Für morgen steht ein schweres Programm an. Es geht kurz nach dem Start von den 530 Höhenmetern, auf denen ich mich hier befinde, steil hinein in die Berge auf 1.440 Höhenmeter. Bis dahin versuche ich mal direkt einige von meinen schwereren Essensvorräten wegzuessen. Ich glaube ich fange direkt mal mit einer Tüte Weingummi an 😉

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