12
Mrz
2018

Tag 108 Camp Stream Hut bis Lake Tekapo (36 Kilometer)

Tag 5 seit dem Rakaia River. Und ich hielt das hohe Tempo und die lange Hikingdauer aufrecht: ich gelangte in weiteren 36 Kilometern bis zum Holiday Park ein Stück außerhalb des Ortes Lake Tekapo am Südende des gleichnamigen Sees. Nun wird es allerdings Zeit für einen Restday. Der letzte ist zwar erst sechs Tage her, aber das Mammutprogramm der vergangenen Tage hat deutliche Spuren an mir hinterlassen: schmerzende Knie, Beine und Sohlen. Ich werde mir daher nun einen Tag Ruhe gönnen ehe es für einige Tage in flacheres Gelände und für viele Kilometer auf die Straße geht…

Oh man, die Nacht vor dem heutigen Hike war mit großem Abstand für mich die bislang bescheidenste Nacht aller Nächte auf dem Te Araroa. In der 1898 erbauten Camp Stream Hut habe ich so gut wie kein Auge zugetan. Nachdem Anna und ich gestern erst zum Sonnenuntergang an der Hütte ankamen, nur noch schnell was zu essen gekocht haben und ich dann meinen Blogartikel in groben Zügen geschrieben habe, konnte ich irgendwie nicht richtig runterfahren. Das war das erste, was mich wachgehalten hat. Das zweite: die Matratze auf der ich lag war in Schräglage und in die Betten in der richtig kleinen Hütte deutlich kürzer als sonst. Das waren vielleicht 1,80 Meter. Da ich meine Matratze jedoch auch unter den Holzrahmen der Hütte schieben musste entfielen nochmal gute 10 cm davon. Bei meiner Größe lagen also meine Beine, naja okay, mindestens aber meine Füße also bei meinem Bettnachbarn mit auf der Matratze, bei Don aus Schottland. Da Don genauso groß war wie ich und dieselben Probleme hinsichtlich der Länge der Matratze hatte, lag er wiederum mit auf meiner Matratze. Irgendwie lagen wir damit näher beieinander als zumindest meine persönliche Wohlfühldistanz beim Schlafen neben einem Fremden beträgt. Die richtig alte, rustikale Hütte war echt supercool, aber Schlaf hab ich hier nicht gefunden…

Am Morgen bin ich daher zeitig raus. Die Sichel des Mondes stand noch am halb verdunkelten Himmel während sich einige Wolkenschleier am Firmament vor der dunklen Silhouette der Berge und der Hütte schon leicht rötlich aufgrund des nahenden Sonnenaufgangs färbten.

Der Track führte nach dem Start von der Hütte zunächst weiter bergab, um dann in kurzem, aber steilem Anstieg auf eine Hochebene zu führen – vermutlich der letzte bedeutendere Anstieg für die nächsten Tage. Wir genossen vor dem langen Hike über die sich uns auftuende Hochebene Richtung Lake Tekapo nochmal die Aussicht bei strahlendem Sonnenschein.

Kilometerlang folgten wir dem Pfad durch die gräserne Steppe, auf dem sich wild blökend immer mal wieder Herden von Merinoschafen tummelten. Diese werden hier zur Wollproduktion gehalten. Im Gegensatz zu „herkömmlicher“ Schafswolle ist das bei der teuren Merinowolle, aus der auch eine Vielzahl meiner Hikingklamotten ist, noch sehr ertragreich wie mir ein Farmer vor einigen Tagen berichtet hatte.

Total nervend waren für mich heute übrigens die unzähligen Fliegen auf der Hochebene. Die hatten es echt auf mich abgesehen und umschwirrten mich beinahe unentwegt. Ich deutete das mal als ziemlich untrügerisches Anzeichen dafür, dass ich eine Dusche notwendig habe 😉

Um 13:30 Uhr legten Anna und ich eine Lunchpause ein. Wir hatten mittlerweile 19 Kilometer geschafft und waren an die zum südlichen Ende des Lake Tekapo führende Straße gelangt, die uns auch zum dortigen gleichnamigen Ort führen würde. Von hier waren es noch 13 Kilometer auf der Straße und einige weitere Kilometer auf einem Track bzw. durch den Ort. Meine Knie schmerzten. Beide. Und daneben vor allem meine Fußsohlen. Nach der Pause kam ich daher auch zunächst nur humpelnd und sehr mühselig in Tritt. Meine Motivation war dabei nach den harten letzten Tagen und aufgrund meines derzeitigen körperlichen Empfindens alles andere als auf einem hohem Level. Ich wollte einzig nach Lake Tekapo gelangen und mir einen Restday gönnen.

Umso überraschter war ich, dass sich der Hike in sengender Sonne und auf der staubigen Schotterstraße dann doch richtig gut anließ nach meinen ersten Anlaufschwierigkeiten. Ich hatte mir meine Kopfhörer ins Ohr gestöpselt und hörte zwei spannende Hörbücher während des Roadwalkingparts, der mich am Lake Tekapo entlang durch eine beinahe wüstenähnlich anmutende Berglandschaft führte. Der See lag derweil völlig still und in einem wahnsinnig, ja regelrecht unwirklich erscheinendem Türkisblau da. Die Bergkulisse spiegelte sich auf seiner kaum bewegten Oberfläche.

Um 17 Uhr gelangten wir dann auf den Track, der uns durch den Lake Tekapo Regional Park am Seeufer entlang zum Ort brachte. Mit ein paar Kiwis, die hier Urlaub machten, kamen wir am Beginn des Tracks länger ins Gespräch. Und danach abermals gar nicht mehr in Tritt. Nach bereits über 30 Kilometern heute und den langen vergangenen Tage schmerzte jeder Schritt nach dem längeren Plausch und es dauerte wieder eine Weile bis wir beide uns diesmal in einer fließenden statt abgehackten Bewegung vorwärts bewegten.

Wir passierten das Sheep Dog Monument, welchen allen Collies dieser Region gewidmet ist, und die Old Shepherd Church. Über eine recht neue, moderne Brücke gelangten wir dann über den Lake Tekapo Channel, der als nächster Part auf dem Te Araroa ansteht, ins Stadtzentrum. Um 18 Uhr waren wir endlich da. Wahnsinn was hier los war. Unzählige Touristen aus ebenso unzähligen Autos und Bussen bevölkerten den kleinen Touristenort. Das hatte ich nicht erwartet. Irgendwie hatte ich mir das hier beschaulicher vorgestellt. Egal, wir trugen ja auch unseren Teil dazu bei.

Davon war ab war für uns, nun wo wir zurück in der „Zivilisation“ waren, vor allem eines wichtig… Ihr habt’s vermutlich schon erraten. Was fettiges, ungesundes, aber leckeres 🙂 Und wenn ich persönlich es mir irgendwann auf dem Te Araroa so richtig verdient habe, dann ganz sicher nach den letzten fünf Tagen: daher gab es für mich einen Cheeseburger mit doppeltem Burgerpattie, dazu eine große Portion Chips und eine eiskalte Coke. Anna gönnte sich daneben eine Portion Fish and Chips. Ich schätze in diesem Moment waren bei uns beiden alle Anstrengungen vergessen. Wir waren einfach nur glücklich angekommen zu sein und was mehr oder weniger „anständiges“ im Take-Away erhalten zu haben.

Anschließend gingen wir in den Supermarkt: Cider bzw. Gingerbier zum Anstoßen, Schokokekse für Anna, ein Eis für mich und vor allem eine Tüte Gummibären. Danach liefen wir am Seeufer zum Holiday Park weiter. Ich würde hier auf dem bislang größten Campingplatz, den ich bislang in Neuseeland gesehen habe, zwei Nächte bleiben, Anna derweil nur eine. Meine Knie und Beine brauchen morgen definitiv einen Restday. Anna will direkt weiterlaufen. Sie hatte den Rangitata River ja umtrampt und war daher etwas ausgeruhter als ich. Eventuell würde sie in zwei Tagen in Twizzle einen Restday einlegen, dann würde ich dort eventuell wieder aufschließen.

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